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Freitag, 14. Oktober 2011

°.: Lesen - Mike Lancaster: 0.4 - Perfekte neue Welt :.°

Lancaster, Mike: 0.4 - Eine perfekte neue Welt, ab 12 Jahren, Oetinger Verlag, 272 S., 14.95€

Ein einzelner Moment kann das ganze Leben verändern. Nicht nur das eigene, sondern das Leben an sich.
Als Kyle sich freiwillig meldet, um auf einem Stadtfest bei einer Hypnosenummer eines Mitschülers mitzumachen, ahnt er von den weitreichenden Folgen noch nichts. Erst als er aufwacht, trifft ihn der Schock, von dem, was er sieht, wie Eiswasser. Das Publikum vor der Bühne ist wie angehalten, als hätte jemand auf einen Pauseknopf an einer Fernbedienung gedrückt. Niemand rührt sich, atmet oder blinzelt. Das Profil der Menschen verdoppelt sich, verschiebt sich vor Kyles Augen, ohne dass er es wirklich fassen oder deutlich erkennen kann.
Voller Panik wendet er sich an die drei Leute, die mit ihm hypnotisiert wurden. Gemeinsam versuchen sie dahinter zu kommen, was eigentlich um sie herum passiert. Denn als die Menschen aus ihrer Starre erwachen, ist niemand mehr, wie er vorher war. Jeder strahlt Bedrohung aus.
Weiter auf der Suche nach dem Grund für diese seltsamen Veränderungen, müssen Kyle und die anderen 0.4er bald erkennen, dass es nur ein Zurück gibt. Und diese Entscheidung muss jeder von ihnen für sich selbst treffen.

Meine Meinung:
Ich fand das Buch von Anfang bis Ende genial.
Allein die Aufmachung ist einfach etwas komplett Neues. Aus der Perspektive der zukünftigen Menschen geschrieben, sind die Fußnoten, Kommentare und Anmerkungen unglaublich lustig und trotzdem nicht albern oder flach.
Des Rätsels Lösung deutet sich immer wieder an, gewinnt im Laufe des Romans Konturen und ist doch auch für den Leser nicht richtig zu fassen. Erst die erklärende Auflösung bringt alles auf einen roten Faden.
Mir hat auch die Beschreibung der Hauptcharaktere sehr gut gefallen. Kyles Gefühle ist sehr glaubhaft und auch die distanzierte Betrachtung des Zuhörers/Autors ist ausgezeichnet beschrieben.
Das Einzige, was mir nicht gefallen hat bzw. was mir nicht ausreichend erklärt/aufgelöst wurde, war das schwarze Etwas, das ich jetzt einmal Schwarzes Loch mit Staubsaugerfunktion nenne. Dieses Gimmick war meiner Meinung nach unnötig und trägt nichts zur Geschichte bei. Hätte man auch weglassen können.

Trotzdem ein tolles Buch, das mich sehr gefesselt hat und bei dem ich sage: unbedingt lesen! :D

Coververgleich:
links: UK
rechts: Deutschland

Mir persönlich gefällt das deutsche Cover nicht wirklich. UK hat es wesentlich besser getroffen. Trotzdem passt das Deutsche besser, weil das Buch gar nicht so SciFi ist, wie es auf dem UK-Cover wirkt. Finde ich zumindest. 
Über andere Meinungen freue ich mich. ;)

Mittwoch, 12. Oktober 2011

°.: Lesen - Shpancer: Der gute Psychologe :.°

Shpancer, Noam: Der gute Psychologe, Knaus Verlag, 288 S., 19.99€

Sie kommt freitags um vier. Eine Ausnahme, denn es ist eine Stunde, nachdem er normalerweise seine Praxis schließt. Doch der Psychologe interessiert sich aus verschiedenen Gründen für den Fall der Nachtclubtänzerin. Ihr Problem liegt in seinem Spezialgebiet, denn Panikattacken halten sie davon ab, wieder auf die Bühne zu gehen.
Was für den Psychologen aber mindestens genauso wichtig ist: er kann mit seiner Kollegin Nina über den Fall sprechen. Nina lässt diese professionellen Gespräche zu. Über ihrer Beziehung und der Liebe des Psychologen zu ihr liegt allerdings ein Tabu. Und das, obwohl es eine gemeinsame Tochter gibt.
Der Psychologe versucht das, was er seinen Studenten abends in der Vorlesung beibringt, auf sich selbst anzuwenden; keinen der üblichen Fehler zu begehen. Doch dann übertritt er doch die Grenze und bringt das zerbrechliche Verhältnis zwischen Beruflichem und Persönlichem in Gefahr.

Meine Meinung:
Drei Orte, geschickt über den Psychologen mit einander verwoben. Da ist seine Praxis, in der man ihm bei der Behandlung der Tänzerin zuhört; der Klassenraum, in dem man mit den Studenten sitzen darf, um seinem Kurs zu folgen und sein Heim, wo man ein Stück von seiner privaten Persönlichkeit zu sehen bekommt. Vor allem, wenn er mit Nina telefoniert.
Ich kann nicht sagen, in welchem dieser drei Bereiche ich mich am wohlsten gefühlt habe. Aber auch jetzt – nach der Lektüre – habe ich noch das Gefühl, dass ich wirklich dort war, um dem „guten Psychologen“ zuzuhören.
Das Buch ist unaufdringlich und doch hat es mich sehr zum Nachdenken angeregt. Über Automatismen, die er beschreibt und von denen ich danach gemerkt habe, dass sie bei mir auch ablaufen.
Naom Shpancer ist selbst Psychologe, was man dem Buch auch anmerkt. Allerdings auf eine sehr positive Art und Weise. Es wird nicht der Holzhammer geschwungen oder selbst-beweihräuchert. Vielmehr bekommt man eine wohltuende Sitzung, einen Kurs und eine spannende Beziehungsgeschichte geliefert.

Sehr beeindruckend und nachwirkend. Zu empfehlen!