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Donnerstag, 17. März 2011

°.: Lesen - Das verlorene Bestiarium :.°


Nicholas Christopher: Das verlorene Bestiarium, kartoniert, 380 S., dtv, 14.90€

Schon als Kind bekommt Xeno seinen Vater nicht oft zu Gesicht. Der Seefahrer ist immer unterwegs und wenn er sich dann doch einmal in der kleinen, düsteren Wohnung zeigt, in der er seine Schwiegermutter und seinen Sohn einquartiert hat, ist er unnahbar und bloß darauf bedacht, so schnell wie möglich wieder zu verschwinden. Xeno findet keine Verbindung zu seinem Vater. Die hat es nie gegeben, seit die Mutter und einzige Liebe des Vaters bei Xenos Geburt starb.
Dem Jungen bleibt nur die Großmutter, die für ihn sorgt, so gut es ihr möglich ist und ihm Geschichten erzählt.
Es sind spezielle Geschichten. Über ihre Ahnin, die die Sprache der Tiere verstand und sich in einen Fuchs verwandeln konnte. Über Fabelwesen, die nur deshalb nicht mehr auf der Welt gesehen werden, weil Noah sie nicht mit auf seine Arche lassen wollte. 
Xeno ist fasziniert von den Erzählungen und den Tieren, um die sie sich drehen. Später, als seine Großmutter stirbt und sein Vater ihn ins Internat abschiebt, beschäftigt er sich mit allen möglichen Texten über Fabelwesen. Angefangen über den Physiologos, Fabelbücher, bis hin zu den alten Bestiarien. Bei seinen Recherchen stößt Xeno auf die Legende des Karawanenbuchs. Angeblich das erste Bestiarium und die Quelle für das Wissen über diejenigen Tiere, die die Sintflut trotz Noahs Ablehnung überlebt haben.
Der immer noch junge Xeno schwört sich, dieses Buch zu finden.
Seine Suche führt ihn in verschiedenste Länder, aber auch durch seine eigene Vergangenheit und die Geschichte seiner Familie. Er muss sich mit seinem Vater und schließlich seinen eigenen Geistern auseinander setzen, um am Ende zu finden, was er sucht.

Meine Meinung:
Gekauft habe ich mir das Buch vor allem wegen des Covers und der Aufzählung der Fabelwesen im Anhang. Fälschlicher Weise hatte ich angenommen, dass die Geschichte mehr in Richtung Fantasy geht und die Fabelwesen auch auftauchen werden. Das war zwar nicht der Fall, tut der Spannung aber keinen Abbruch. Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Angefangen beim Schreibstil, der flüssig zu lesen, aber nicht platt ist. Xeno ist mir sympathisch, gerade weil er in der Mitte des Buches ein paar Mal mit sich und der Welt hadert. Etwas weiter vorn hatte ich nämlich schon befürchtet, er wird der strahlende Held mit weißer Weste, der am Ende die Welt und die Fabeltiere rettet. Wird er nicht. Zum Glück.
Die Geschichte ist spannend, farbenfroh und teilweise sehr schön, was die zwischenmenschlichen Szenen angeht. Erst bei der Episode mit Lena ist mir aufgefallen, dass Nicholas Christopher zuvor sehr bewusst andere Worte für Xenos Beziehungen gewählt hat. Wie schon erwähnt, ein großes Lob für die Sprache.
Insgesamt ein Buch, das bestimmt nicht die riesige bestseller-Leserschaft anlockt, aber eine Empfehlung auf jeden Fall wert ist für diejenigen, die einmal etwas Anderes suchen und in Richtung Abenteuer lesen möchten.

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