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Montag, 21. Februar 2011

°.: Lesen - Bondoux "Die Zeit der Wunder" :.°


A. Bondoux: Die Zeit der Wunder, HC, 192 S., Carlsen, ab 12 Jahre, 12.90€




"An dem Tag, als die Zollbeamten mich hinten im Lastwagen fanden, war ich zwölf Jahre alt. Ich roch so schlecht wie Abdelmaliks Müllhäuschen.
Obwohl Monsieur Ha sich alle Mühe gegeben hatte, den offiziellen Stempel auf dem Foto in meinem Pass wiederherzustellen, glaubten die Zollbeamten nicht, dass ich ein echter kleiner Franzose war. Ich hätte ihnen gerne alles erklärt, aber dafür war mein Französisch zu schlecht. Also zogen sie mich am Kragen meines Pullovers aus dem Lastwagen und nahmen mich mit.
So endete meine Kindheit: plötzlich und unerwartet, an der Autobahn A4, als mir klar wurde, dass ich allein im Land der Menschenrechte würde zurechtkommen müssen." (Verlag)

Koumail ist mit Gloria unterwegs. In ihrem Marschgepäck haben sie ein paar Sachen, die Gloria von ihren Brüdern bekommen hat. Aber sie haben nichts zu essen. Immer wieder müssen sie sich ein neues Dach über dem Kopf suchen, eine neue Bleibe. Sie müssen betteln, um am Leben zu bleiben oder gefährliche Arbeit annehmen. 
Und das alles, um vor den Kriegswirren des Kaukasus nach Frankreich zu fliehen. Dorthin, wo Koumails Mutter lebt. Jeanne Fortune.
Oft muss Gloria dem kleinen Koumail seine eigene Geschichte erzählen. Wie der Zug entgleiste, in dem seine Mutter saß. Wie Gloria ihn fand und die schwer verletzte Jeanne Fortune ihren Sohn der Fremden anvertraute. 
Alles wird gut werden, wenn Koumail - Monsieur Blaise - endlich zu Hause ist. In Frankreich.

Die Geschichte ist wunderschön geschrieben. In einem Stil, der gleichzeitig Koumails kindliche Sicht vermittelt und doch nicht zu abgerückt von den schweren Ereignissen um ihn herum wirkt. 
Jede Begegnung, jede neue Station auf der Reise trägt wieder neue Hoffnungsschimmer und den Schluss/ die Auflösung fand ich sehr gelungen. Das Einzige, was ich etwas schade fand, war die Tatsache, dass man zu früh hinter das Geheimnis des Buchs kommen kann. Allerdings wird das bei den Lesern, für die das Buch gedacht ist, vielleicht nicht so stark ins Gewicht fallen.


P.S.: Auf der Seite des Carlsen-Verlags gibt es eine Leseprobe. 
Leseprobe

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