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Mittwoch, 1. Dezember 2010

Douglas Adams - Die Letzten ihrer Art


Douglas Adams - Die Letzten ihrer Art: Eine Reise zu den aussterbenden Tieren unserer Erde, Heyne Verlag, TB, 272 S., 8,95€

"Eine Art nach der anderen verabschiedet sich. (...) Es gibt nur noch knapp zwanzig weiße Nashörner, und um die ist ein erbitterter Kampf mit den Wilderern ausgebrochen. Die leben in Zaire. Oder nimm die Berggorillas - obwohl sie zu den engsten lebenden Verwandten des Menschen gehören, haben wir sie in diesen Jahrhunderten fast vollständig ausgerottet. Aber das passiert überall auf der ganzen Welt. Hast du schon mal was vom Kakapo gehört?"
"Vom was?"
"Vom Kakapo. Das ist der größte, dickste, und flugunfähigste Papagei der Welt. Lebt in Neuseeland. Ist der seltsamste Vogel, den ich kenne, und wird wahrscheinlich genauso berühmt, wie der Dodo, falls er ausstirbt."
"Wie viele gibt's denn noch von denen?"
"Vierzig, Tendenz fallend. Kennst du den Yangtse-Delfin?"
"Nein."
"Die Drachenechse von Komodo? Den Rodrigues-Flederhund?"

1988 machen sich Douglas Adams (Autor der Si-Fi-Romanreihe 'Per Anhalter durch die Galaxis) und Mark Carwardine (Zoologe für den WWF) auf die Suche nach den damals aussterbenden Tieren unserer Erde. Sie besuchen die Komodoechsen, die zu ihrer eigenen Arterhaltung für Touristen in einer Monstershow präsentiert werden. Die beiden wandern durch dichte Regenwälder, um einem Berggorilla Auge in Auge gegenüber zu stehen. Das riesige Männchen flößt Adams in erster Linie einen vernünftigen Fluchtreflex und echten Respekt ein. Gegen die Wilderer, die den Gorilla hauptsächlich für Sammler einzelner Körperteile der Tiere abschießen, nützt dieses Auftreten allerdings nicht.
Adams und Carwardine reisen bis nach Neuseeland, um sich den gefährdeten Kakapo anzusehen, der allein durch sein Paarungsverhalten genug Probleme hat und zusätzlich von den eingeführten Katzen auf der Insel bedroht wird, vor dem Aussterben steht. Genauso, wie der Yangtse-Delfin, der vom Dreck und Lärm der größten chinesischen Wasserstraße vollkommen orientierungslos gemacht, immer wieder Schiffsschrauben zum Opfer fällt.
All die Tiere, die bereits damals zu den aussterbenden Arten gehörten, beschreibt Douglas Adams mit den Augen eines Menschen, der nicht mehr Vorwissen hat, als jeder Andere. Allein seine Neugier und die Besorgnis, die im Verlaufe seiner Reise und seines Berichts darüber immer deutlicher hervor tritt, machen das Buch schon zu etwas Besonderem. Und vor allem verdeutlicht er mit seinem Text, der zwar auch eine große Portion an Ironie - man könnte es in Anbetracht der Tatsachen als Galgenhumor bezeichnen - wie schlimm es um den Tierbestand und vor allem um das Interesse der Menschen geht, diese zu schützen. 
Zwar treffen Adams und Carwardine bei ihren Expeditionen immer auf Organisationen und einzelne Menschen, die sich dem Schutz der Arten verschrieben haben, aber es wird allein durch deren zitierte Aussagen deutlich, dass sie auf sehr verlorenem Posten stehen.
Oder vielmehr standen.

Mich persönlich hat das Buch sehr beeindruckt. Es ist flüssig und leicht zu lesen, lässt einen sogar ab und an lachen und trotzdem trifft es sehr genau den Punkt und lässt mich vor allem mit dem Absatz zurück, den der Co-Autor Mark Carwardine ans Ende des Buches setzt.

"Es gibt noch einen letzten Grund, sich zu kümmern, und ich glaube, daß er allein ausreicht. Jenen Grund, der zweifellos die vielen Menschen antreibt, die ihr ganzes Leben damit zubringen, sich den Interessen von Nashörnern, Sittichen, Kakapos und Delphinen zu widmen. Es ist ein sehr einfacher Grund: Die Welt wäre ärmer, dunkler und einsamer ohne sie."

Die Tierbestände heute:
Komodowaran - geschätzte 5000 Tiere
Nördliches Breitmaulnashorn - gilt als kaum noch zu retten, nur noch mehrere dutzend Tiere
Kakapo - gilt in Freiheit als ausgestorben
Berggorillas - 600/700 Tiere, Tendenz fallend
Yangtse Delfin - Zahl unbekannt
Rodriguez Flughund - ausgestorben

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