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Dienstag, 30. November 2010

Strout - Mit Blick aufs Meer


Elizabeth Strout - Mit Blick aufs Meer, Roman, Luchterhand, HC, 352 S., 19.95€

Der Originaltitel lautet "Olive Kitteridge: A Novel in Stories". Das trifft es meiner Meinung nach ausgezeichnet. Denn der Roman besteht auf den ersten Blick aus lauter einzelnen kleinen Geschichten. Wie Spots, die angeschaltet werden und eine kurze Szene aus dem Leben eines der Dorfbewohner beleuchten. Elizabeth Strout stellt ihre Figuren wie auf eine Bühne und inszeniert die Geschichte wie ein Theaterstück, bei dem der Leser gleichzeitig Zuschauer sein darf.
In der ersten Geschichte taucht Olive, die im Roman die Hauptrolle spielt, nur als Ehefrau des Apothekers auf. Dieser bekommt eine neue Assistentin - jung, süß, in den Augen des Chefs vollkommen hilflos und beschützenswert. Vor allem, als ihr frisch gebackener Ehemann bei einem Jagdunfall ums Leben kommt und die junge Apothekengehilfin in ein tiefes, emotionales Loch fällt.
Diese Episode endet damit, dass die junge Frau erneut heiratet, dem Apotheker und gutem Freund ein paar Postkarten schreibt und beide ihr Leben weiterleben, ohne sich in einer Weise näher gekommen zu sein, die der Leser vermutet hätte.
So erscheint es in vielen der kleinen Geschichten, in denen Olive Kitteridge teilweise wie eine Nebenfigur nur durchs Bild läuft. Erst mit der Zeit entwickelt sich ein Bild von ihrer Person mit Aussehen und Charakter.
Mir war Olive zu Beginn des Romans relativ unsympathisch. Die Matriarchin der Familie, eine neugierige, dicke Alte, die ihre Nase in die Angelegenheit aller Leute steckt. Gerade dann, wenn es sie ganz offensichtlich nichts angeht. Doch Elizabeth Strout schreibt kleine Nuancen in ihre Geschichte, winzige Hinweise, die man fast überlesen könnte und die Olive in wesentlich besserem Licht erscheinen lassen. Olive Kitteridge kann hilfsbereit sein, fast großherzig und mutig. Aber eben immer auf eine Art und Weise, die sie selbst ein wenig plump erscheinen lässt. Manchmal erregt sie fast Mitleid.
Und doch gönnt man ihr das Ende ihrer eigenen Geschichte. Ein gutes Ende. Sogar nahe am Happy End, aber doch nicht in dem Maße, dass es den vorherigen Aufbau des Romans zerstören würde.

Eine runde Geschichte, die manchmal tragisch, dann wieder komisch und teilweise sogar fast philosophisch anmutet. Nichts, das man schnell nebenher lesen kann, aber in jedem Fall ein gutes Buch.

Montag, 29. November 2010

Marotte Figurentheater - Swing and Puppets

Zugegeben, mein Einstieg war ein bisschen hart.
Nach Jahren, die ich mich in keinster Weise mit Figurentheater beschäftigt hatte und mein Vorwissen auf der Augsburger Puppenkiste beruhte, habe ich mich gleich einmal an die Interpretation von "Schlafes Bruder" gewagt. Noch dazu nach einer stressigen Arbeitswoche an einem Freitag Abend. Raus aus dem Laden, rein in die Straßenbahn und dann zum gemütlichen Marotte Figurentheater. Der Raum hatte es mir gleich angetan, mit seinen gemütlichen, roten Klappsesseln, der Wanddeko und dem Flair eines etwas zu groß geratenen Wohnzimmers. Es war warm, es war dunkel ... und der Stoff leider zu schwierig, um in meinem Zustand zu folgen. Irgendwann wurde es so schlimm, dass ich mit Scham gestehen muss, eingeschlafen zu sein. Aber naja, das lag nicht unbedingt an dem Puppenspieler, der beeindruckende 1 1/2 Stunden Text auswendig gelernt (und teilweise herunter geleiert oder gehaspelt) hatte, sondern an meinem Zustand. Die Puppen waren toll, großartig auf das Stück abgestimmt. Leider hat das den düsteren Eindruck so verstärkt, dass ich mich mit dem Text nicht anfreunden konnte.
Wie gesagt, ein harter Start.
Deshalb hatte ich mir für meinen zweiten Besuch beim Puppentheater zwei Alternativen heraus gesucht. Allerdings passt die Umsetzung des Bilderbuchs "Mama Muh" dann nicht ganz in meinen Zeitplan und ich landete bei "Swing and Puppets". Wobei 'Swing' von zwei Herren (einer am E-Klavier, der andere an Klarinette, Saxophon und Rhythmusei) und 'Puppets' von einem Mitglied des Marotte-Theaters vertreten wurde. Etwas irritierend für den Nicht-Kenner (wie ich einer bin), war es am Anfang, dass die beiden Parteien sich nicht wirklich abgesprochen zu haben schienen. Es wurde während des Auftritts diskutiert, was als Nächstes zu tun sei. Wie gesagt, etwas seltsam, aber bald nicht mehr so wichtig. Mit Swing wurde angefangen, mit Puppets fortgefahren. Und am Ende konnte man sogar beides in Kombination bewundern.
Ich habe etwas über Klappmaul-Puppen gelernt, mit gemütlich bei Swing-Klängen zurück gelehnt und den Mars-Riegel bedauert, der einer Reanimation bedurfte, nachdem man ihn halb angegessen hatte. Mit Witz und Charme. Wobei ich zugeben muss, dass der Puppenspieler die beiden Musiker gegen Ende an die Wand gespielt hat. Gute Unterhaltung, die mich auf jeden Fall wieder (und diesmal mit besserer Erwartungshaltung) zur Marotte ziehen wird.


Samstag, 27. November 2010

°.: Drawing - Mondgöttin auf Holz :.°


Das kommt dabei raus, wenn ich mal neues Material ausprobiere. Ich hatte beim Schreibwarenhändler eine so schöne Zeichnung mit Buntstiften auf einer Holzplatte gesehen... Naja, mein Versuch ist nicht so brilliant geworden, aber die Lippen gefallen mir. ^^

Nyx - Buntstifte auf Holz

*.: Roger Willemsen - Die Enden der Welt :.*

Inhalt:


Auf fünf Erdteilen war Roger Willemsen unterwegs, um seine ganz persönlichen Enden der Welt zu finden. Manchmal waren es die großen geographischen: das Kap von Südafrika, Patagonien, der Himalaja, die Südseeinseln von Tonga, der Nordpol. Manchmal waren es aber auch ganz einzigartige, individuelle Endpunkte: eine Bahnstation in Birma, ein Bett in Minsk, ein Fresko des Jüngsten Gerichts in Orvieto, eine Behörde im kriegszerrütteten Kongo. Immer aber geht es in diesen grandiosen literarischen Reisebildern auch um ein Enden in anderem Sinn: um ein Ende der Liebe und des Begehrens, der Illusionen, der Ordnung und Verständigung. Um das Ende des Lebens – und um den Neubeginn.

Die Eifel – Gibraltar – Der Himalaja – Südafrika (»God's Window«) – Island – Patagonien – Timbuktu – Kamtschatka – Birma – Borneo – Italien (Fuciner See) – Bombay – Senegal – Hongkong – Afghanistan – Tonga – Indonesien – Orvieto – Kinshasa – Minsk – Thailand – Madeira – Nordpol



Lesung im Tollhaus:
Jetzt schon eine ganze Weile her, aber immer noch sehr beeindruckend. 
Ich muss zugeben, dass ich vorher noch nie etwas von Herrn Willemsen gehört hatte. Schlimm, aber weniger niederschmetternd, da ich ihn im Tollhaus dann bei einer Lesung erleben konnte. 
"Die Enden der Welt" lassen sich für mich persönlich sehr schlecht zuordnen. Es ist kein Roman, weil Herr Willemsen ja von seinen eigenen Reisen erzählt. Trotzdem ist es auch kein Reisebericht in dem Sinne, weil es sich nicht nur um eine Reise handelt und ich auch nicht sagen könnte, dass es dazu auffordert, sich auf die Spuren des Reisenden zu begeben.
Natürlich inspiriert das Buch mit seinen tollen menschlichen Begegnungen, mit den Landschaften, die beschrieben werden und den beeindruckenden Sprachbildern dazu, sich selbst auf den Weg zu machen. Aber wohin ist einem selbst überlassen.


Ich persönlich hätte nach der Lesung gern meinen Rucksack gepackt und wäre einfach los gereist. Und schon dafür mag ich das Buch. Und liebe das Audiobook, das vom Autor selbst gelesen wurde! Ein absoluter Hörtip!